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YouTube BBQ-König Klaus Glaetzner im Exklusiv-Interview

„Jobwechsel? Ich kann nichts außer grillen“

Fulda am ersten Augustsonntag. Die Sonne brennt bereits um halb zehn vormittags vom Himmel. Das Messeareal, wo im Laufe des Tages die Deutsche Grillmeisterschaft stattfindet, heizt sich jetzt schon fast unerträglich auf. Ziemlich „cool“ bleibt allerdings einer – und das obwohl er trotz einem schwarzen T-Shirt und aufgrund seiner massiven Körperstatur der Sonne maximale Angriffsfläche bietet: YouTube-Grill-König Klaus Glaetzner. Auf seinem Kanal „Klaus grillt“ veröffentlicht er drei BBQ-Videos pro Woche – und das verfolgt von rund 170.000 Abonnenten. Ob er im Stress sei oder wir wie vereinbart loslegen können? „Nein, kein Stress, es geht doch hier nur ums Grillen und keine OP am offenen Herzen“, grinst er mich an und schon beginnt das Exklusiv-Interview. Im Gespräch mit dem  freundlichen, wortgewandten und auskunftsfreudigen Riesen geht es unter anderem um seine persönliche Superheldenfähigkeit, seine Abneigung gegen Baumkuchen, Arbeitslosengeld 2, eine Yacht in Saint-Tropez, Aldi & Lidl, seine berufliche Zukunft & mehr.

Warum nimmt der größte BBQ-YouTuber im deutschsprachigen Raum nicht an der Deutschen Grillmeisterschaft teil?

Klaus Glaetzner: Das ist ganz einfach: Ich bin kein Grillteam. Für eine Grillmeisterschaft benötigt man sehr viel Vorbereitung. Ich grill sehr gerne. Aber ungerne für 30 oder 40 Leute. Und wenn ich eine Wurst grillen will, dann will ich die nicht um 10.50 Uhr fertig haben müssen. Und die Wurst dann (somit nach den Regularien der Wettkampfordnung, d.Red.) abgearbeitet ist. Andere haben daran wiederum richtig Spaß. Und die machen das mit so viel Liebe und Akribie, dass man einfach nur seinen Hut ziehen kann.

Selber stehen ja hier auf der Deutschen Meisterschaft Grillshows an, dann der eigene Stand…

Klaus Glaetzner: Ich würde gar nicht von einer Grillshow sprechen. Wir machen einfach alle zusammen ein paar schöne Steaks. Und haben alle eine lustige Zeit. Das Publikum macht Quatsch, ich mache Quatsch. Um eben ein möglichst cooles Wochenende hier zu verbringen.

Der Herbst steht ja vor der Türe: Irgendeinen Tipp für ein einfacheres und für ein aufwendigeres Herbst-Grill-Gericht?

Klaus Glaetzner: Diese Kategorien sind mir völlig fremd. Denn ich mache meine Weihnachtsente auch an Ostern. Gut, Dutch Oven-Nummern machen im Herbst ein bisschen mehr Spaß als wenn man bei 35 Grad unter Volldampf steht.

Was war bis jetzt das aufwendigste Grillgericht?

Klaus Glaetzner: Eigentlich gar nichts, ich mache keine aufwendigen Sachen. Das ist ja gerade das Schöne am Grillen. Dass man kein Türmchen aufn Schiffchen baut und das Ganze noch mit einem Segel versieht. Wir haben zuletzt bei einer Grillmeisterschaft, da habe ich mal bei einer mitgemacht und auch den ersten Platz belegt, etwas Aufwendigeres gegrillt. Aber ich bekomme die Namen der Gerichte gar nicht mehr zusammen, die beinhalten mehr als fünf Worte. Das hat dann auch schon mal eine Stunde gedauert, bis wir da fertig waren. Aber ansonsten ist für mich Grillen, dass man schnell was auf den Grill legt. Denn ich mag Zeit mit meinen Freunden oder der Familie verbringen.

Soll das auch in den YouTube-Videos transportiert werden?

Klaus Glaetzner: Nein auf keinen Fall. Grillen ist eine Sache, die jeder für sich entscheiden kann. Grillen ist ja keine Religion wo man sich entscheiden muss ob Du mit Gas grillst oder mit Holzkohle. Man muss sich nicht entscheiden, ob man Steak oder Würstchen macht. Du musst Dich auch nicht entscheiden ob Du die Gewürze kaufst und mischst oder Fertigmischungen kaufst. Oder von wem. Das würde alles total kompliziert machen. Ich sage den Leuten nicht „so kannst, musst oder darfst Du grillen“. Sondern: Mach es mit dir selber aus. Schaue Blogbeiträge an oder Videos oder Nichts davon. Grillt einen Schweinebauch vom Aldi, auch das ist völlig ok. Wenn Du am Ende des Tages Spaß mit Deinen Jungs und Mädels hast das so durchzuziehen, dann mach‘ das.

In der letzten Zeit schießen Online-Fleisch-Versandhändler wie Pilze bei feuchtwarmen Herbstwetter aus dem Boden…

Klaus Glaetzner: Das geht wieder in die gleiche Richtung: Mach‘ das wie Du möchtest. Mein Credo beim Grillen sind geile Zutaten. Und jeder muss für sich selbst bestimmen was geile Zutaten sind. Wenn für Dich 300 Euro für ein Wagyu-Steak ok sind, dann gibt sie aus. Und wenn eine Hähnchenbrust vom Lidl ok ist, dann nimm diese. Für mich sind geile Zutaten Knack-und-Back-Brötchen. Ich stehe auf diese Dinger. Für andere ist Rosenkohl eine geile Zutat. Da könnte ich ausflippen – da schmeiße ich den Grill weg.

Die meisten Menschen wollen nicht gerne über Geld reden, aber dennoch: Kann man von einem YouTube-Kanal leben?

Klaus Glaetzner: Schwer. YouTube ist ein Thema wo Geld fließt. Du führst aber kein Leben in Saus und Braus. Und man muss mehre Themen als YouTuber beackern (gemeint sind hiermit zum Beispiel Grillkurse geben, Merchandising, Gewürzmischungen, d. Red.), wenn man nicht den ganzen Tag grillen möchte. Also mit zwei bis drei Videos pro Woche kommt man nicht durchs Jahr. Das wäre schön aber die Realität sieht ein wenig anders aus. Wenn man sich anstrengt kann es einem auch relativ gut gehen und man kann ein relativ entspanntes Leben führen.

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Zwei, die wie Pech und Schwefel zusammen halten: Klaus Glaetzner und sein Grill

Würdest Du, unabhängig vom Genre, generell davon abraten einen YouTube-Kanal zu starten, wenn das Ziel darauf ausgelegt ist Geld zu verdienen?

Klaus Glaetzner: Ich kann jeden nur auffordern einen YouTube-Kanal zu starten. Aber nicht, wenn die Absicht ist Geld damit zu verdienen. Denn die Einnahme-Situation ist bei YouTube fürchterlich schwankend. Also wenn wir über Geld reden, dann können wir auch über meine Einnahmen reden. Ohne konkrete Zahlen zu nennen liegen die im Monat zwischen einem ALG-2-Bezug und Saint-Tropez. Und zwar erste Reihe mit der Yacht.

Wie viele BBQ-YouTuber gab es 2014 als der Kanal „Klaus grillt“ an den Start ging?

Klaus Glaetzner: Ich würde sagen so zehn bis 15. Da gab es schon andere vor mir. In den USA zum Beispiel die „BBQ Pit Boys“. In Deutschland gab’s meinen Freund Jörn von „BBQ aus Rheinhessen“. Dann den Markus von „0815 BBQ“. Und Tobias von „Tobias grillt“ war auf alle Fälle dabei. Natürlich sind heute nicht mehr alle dabei die damals am Start gewesen sind. Ich erinnere mich gerne an den Schwarzwald-Texaner. Der hat das American BBQ bekannt gemacht. Zu diesen Zeiten war schon Bewegung drin. Aber nicht in der Größenordnung von heute mit den großen Abonnentenzahlen. Und: Damals war aber YouTube noch nicht so ein großes Thema wie heutzutage.

Ist eigentlich schon mal ein Gericht völlig in die Hose gegangen?

Klaus Glaetzner: Klar, Ich wollte mal einen Baumkuchen machen und habe vier Stunden meines Lebens am Grill verschwendet. Und am Ende des Tages ist ein Baumkeks dabei rausgekommen. Ich weiß heute noch wie ich versucht habe den Spieß rauszubekommen. Da hing ich dran und habe draufgeschlagen. Als Video war das Ganze völlig untauglich. Ein klarer Schuss in den Ofen und seitdem stehe ich mit Baumkuchen ein bisschen auf Kriegsfuß. Meine Kinder haben aber drei Wochen lang diesen Baumkeks gefuttert. Und ihn immer schön auseinandergebrochen und hatten tierisch Spaß dran.

Was sind für den größten BBQ-YouTuber die drei Todsünden beim Grillen?

Klaus Glaetzner: Nicht zu grillen, nicht zu grillen und nicht zu grillen.

Und die drei Grillutensilien die niemals fehlen dürfen – außer einem Messer und einem scharfen Brett?

Klaus Glaetzner: Kann man so nicht sagen. Das ist situationsabhängig. Ich mag auch so Dogmen und Schemen nicht. Wo es heißt „das und das brauchst du“. Das ist alles Quatsch. Manchmal reichen ein Lagerfeuer und ein Spieß. Und das andere Mal möchtest Du einen Beefer und ein „Sous-Vide“-Becken daneben – und ein Kerntemperaturthermometer. Grillen ist ein so unglaublich breites Feld.

Und Grillen ist auch – zumindest in jenen Monaten, in denen das Wetter es zulässt – ein Volkssport geworden. Ist der Markt langsam gesättigt?

Klaus Glaetzner: Poah, in diesen Kategorien denke ich nicht. Das überlasse ich gerne den Händlern und den Leuten die professionell Geld damit verdienen wollen. Da sollen die sich Gedanken drüber machen. Prinzipiell heißt es ja, dass 86 Prozent der Deutschen gerne grillen. Und wenn man sich den Grillmarkt so aus der Ferne ansieht dann denke ich, dass da noch Platz nach oben ist. Das ist aber nicht unsere Baustelle, wir sollten viel lieber geile Grillvideos veröffentlichen.

Was sind die innovativen Produkte in diesem Jahr 2018, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben?

Klaus Glaetzner: Feuerplatte und Plancha finde ich spannenden. Und das Thema Außenküchen. Das sind die Themen die so im Fokus stehen. Und ich denke mal, dass nächstes Jahr wieder etwas Neues kommt.

Stichwort „Innovationen“: Auf „Klaus grillt“ erscheinen pro Woche drei Videos – gehen einem da nicht die Ideen aus?

Klaus Glaetzner: Nein. Ich habe ja mehr als dreimal die Woche Hunger. Und ich stehe mehr als dreimal die Woche vorm Kühlschrank. Ich habe auch mehr als dreimal die Woche Bock auf Grillen. Da muss ich mich gar nicht besonders anstrengen (um auf neue Ideen zu kommen, d.Red). Vielleicht ist das meine persönliche Superheldenfähigkeit.

Dann gibt es also keine anderen beruflichen Pläne für Zukunft?

Klaus Glaetzner: Nein, ich kann ja auch gar nichts anderes (lacht). Im Ernst: Man kann sich bestimmt mal Gedanken machen „was wäre wenn“. Aber ich habe jetzt gerade mal 170.000 Abonnenten auf YouTube. Da denken alle das ist ein großer Kanal. Aber da gibt es Kanäle, die haben drei bis vier Millionen und das mit Themen die sind nicht mal so geil wie Grillen. Und da muss ich fragen: Machen wir den Job so wie wir ihn machen gut? Ist das wirklich so toll? Und ich denke mir, dass da noch ganz viel Luft nach oben ist. Und darum haben wir noch viele Jahre Spaß daran um auch zu sehen was man noch besser machen kann. Um die Leute noch mehr für das Thema zu begeistern. Es läuft wirklich nicht so schlecht, aber es kann noch viel mehr passieren.

Gibt es auf dem Areal von „Klaus grillt“ eigentlich eine extra Garage für die ganzen Grills, die man in den Videos immer sieht?

Klaus Glaetzner: Nein, die stehen alles draußen. Entweder abgedeckt oder frei. So einem Grill macht es ja nichts, wenn er nass wird.

Zum Abschluss noch die Frage aller Grill-Fragen: Kohle oder Gas?

Klaus Glaetzner: Gas – im Fall der Fälle Gas.

Warum?

Klaus Glaetzner: Kohle ist manchmal so nervig. Habe ich noch Kohle da? Habe ich Anzünder da? Der Anzündkamin wird dreckig und dann habe ich wieder Restasche drin. Gas knipst du an, holst deine Zutaten. Und danach machst du den einfach aus. Und der Holzkohlegrill glüht meistens noch. Du willst aber ins Kino oder mit der Frau ins Theater oder bei Freunden vorbeifahren. Und hast immer den Ärger mit dem heißen Grill. Der Gasgrill ist schnell aus und Feierabend. Und: Gas wird nicht nass.

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