Kohle und Briketts

Brennstoff-Experte Kasper Damkier: „Bei Kohlen und Briketts muss man in Preis pro Leistung denken“

Kohle und Briketts

Auch wenn die Sommersonnenwende schon wieder etliche Wochen zurück liegt: So schnell werden die Grills auf Terrassen, in Gärten und Balkonen noch nicht eingewintert. Und überhaupt: Für richtige BBQ-Fans startet die Grillsaison ja am 1. April und endet am 31. März des Folgejahres. Was es deshalb für jene über 365 Tage immer braucht sind Kohlen und Briketts – zumal man einen Kohlegrill sein Eigen nennt. Doch welche Briketts und Kohlen kaufen? Wann welchen Brennstoff verwenden? Was machen, wenn das Grillgut fertig, die Kohlen aber noch nicht einmal zur Hälfte verglüht sind? Antworten auf diese und noch mehr Fragen gibt Kasper Damkier, Geschäftsführer und Gründer des Münchner Brennstoffhändlers McBrikett.

Gleich mal als erstes die Frage an Dich als Brikett- und Kohlehändler: Gas oder Kohle beim Grillen?

Kasper Damkier (McBrikett): Als Briketthändler natürlich Kohle! Gas hat auch seine Reize. Aber ich bin immer noch authentisch, liebe das Feuer und sage deshalb Kohle.

Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen Kohlen und Briketts?

Kasper Damkier (McBrikett):  Kohle ist der Überbegriff, welcher über allem steht. Da gibt es Steinkohle, Braunkohle und noch andere Kohlesorten. Und beim Grillen unterscheidet man zwischen Holzkohle und Kohlebriketts. Und der Unterschied zwischen letzteren ist: Holzkohle ist der natürlich verkohlte Rohstoff. Egal ob Äste, Nussschalen oder sonstige natürlichen Rohstoffe. Und die gepresste Form davon, das sind Briketts. Der große Unterschied ist also: einmal gepresst, einmal nicht gepresst.

Und wann verwendet man Briketts, wann normale Holzkohle?

Kasper Damkier (McBrikett): Normale Holzkohle wenn es schnell gehen muss beziehungsweise ich nichts auf dem Grill zubereiten möchte, das eine lange Grillzeit in Anspruch nimmt. Und Briketts eben im Umkehrschluss, wenn ich ein Grillgut habe, das über lange Zeit auf dem Grill gart. Oder falls ich für mehrere Leute grillen möchte und dementsprechend länger grillen muss.


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Worauf begründen sich hohen Preisunterschiede bei Briketts und Kohlen?

Kasper Damkier (McBrikett):   Das kommt zum Beispiel auf die Herkunft an. In manchen Ländern sind die Lohnkosten einfach niedriger als in anderen. Und zum anderen die Produktion an sich. Wenn man weniger Energie in die Produktion investiert ist es günstiger. Natürlich zu Lasten der Qualität.

Es gibt auch Bio-Kohle. Was bedeutet das. Gibt es da eine Analogie zum Bio-Fleisch?

Kasper Damkier (McBrikett):   Der Begriff Bio-Kohle ist noch undefiniert. Bio ist ja alles was nicht gespritzt, gedüngt oder chemisch behandelt ist. Wir zum Beispiel verwenden den Begriff, weil wir Materialien verwenden, die nicht holzartig sind. Das ist in dem Sinn gemeint, dass wir keinen Baum fällen müssen. Deswegen finden wir das nachhaltig und biologisch.

Kasper Damkier McBrikett
Der Münchner Brikett- und Kohlenhändler Kasper Damkier versorgt die letzten 5 BBQ-Europameister mit Brennstoffen. (Foto: McBrikett)

Wie sieht es bei Kohle aus Mais und Olivenkernen aus? Sitzt da jemand, isst Oliven, spuckt die Kerne aus und diese werden dann zu Kohle und Briketts?

Kasper Damkier (McBrikett):  Das sind die Nebenprodukte der verarbeitenden Industrie. Das kommt nicht aus dem Privathaushalt. Bei unseren Kokosbriketts ist es ein Abfallprodukt bei der Produktion von Kokosöl oder wenn das Fruchtfleisch entnommen wird. Übrig bleiben die Schalen. Früher hat man diese einfach nur verbrannt.  So viel Schmuck und Trinkschalen konnte man daraus gar nicht produzieren wie da anfiel. Irgendwann kann man darauf, dass es aber wahnsinnig gutes Brennmaterial ist. Und so ist es auch bei Olivenkernen oder Maispindeln. Und es ist ja eine gute Sache wenn aus solchen Abfallprodukten Brennstoff hergestellt wird. Und keine Wälder abgeholzt werden.

Wo liegen die Unterschiede der Materialien?

Kasper Damkier (McBrikett):  Beim Heizwert. Maisspindel haben einen sehr geringen Heizwert und produzieren viel Asche. Die Stücke werden auch sehr klein, so dass man diese Einzelteile wieder zu Briketts machen muss. Ähnlich ist es auch bei Olivenkernen. Kokosnussschalen haben hingegen einen hohen Heizwert – und zwar etwas 50 Prozent mehr als Olivenkerne.

Woran erkenne ich gute Kohle und Briketts?

Kasper Damkier (McBrikett):  Die Pressung und die Körnung sind ausschlaggebend. Beziehungsweise die Körnung ist ausschlaggebend für die Pressung. Aber wie es raucht, wie es brennt und wie heiß es glüht kann man bei Briketts tatsächlich nur im Live-Test erkennen. Bei Holzkohle hingegen erkennt man am Klang die Qualität. Je keramischer und gläserner der Klang, desto besser. Ein Tipp: Nimm den Kohlensack und schüttle ihn. Je höher der Klang, desto hochwertiger ist die Kohle. Diesen Tipp kann jeder Laie anwenden.

Gibt es eine Daumenregel für eine bestimmte Menge an Kohlen für eine bestimmte Menge an Leuten für die gegrillt wird?

Kasper Damkier (McBrikett):   Da habe ich keine Daumenregel, weil jeder mit anderen Kohlen und Briketts grillt. Ich kann nur für unsere Briketts die Aussage treffen: Es reichen zwei bis zweieinhalb Kilo um 20 bis 30 satt zu bekommen. Hierbei brennt das Kilo Brikett drei bis vier Stunden. Und mit zwei bis zweieinhalb Kilo kann ich eine so große Grillfläche befeuern, dass ich über drei Stunden grillen kann. Da werden einige satt…

Gibt es eine Möglichkeit bereits entzündete Briketts oder Kohlen zu retten – wenn ich mich mal grob verschätzt habe?

Kasper Damkier (McBrikett):  Das kommt auf die Qualität der Briketts an. Am besten löschen! Von Vorteil ist ein Grill mit Deckel, der gut verarbeitet und einigermaßen luftdicht ist. Denn dann muss man nur den Deckel schließen, der Brennstoff bekommt keinen Sauerstoff mehr und erstickt praktisch. Wenn ich diese Möglichkeit nicht habe kann ich einen Metalleimer mit Deckel verwenden. Die Kohlen hineingeben, Sand drauf schütten und den Deckel drauf. Das hat den gleichen Effekt. Eine letzte Lösung ist: Die Briketts in einen Eimer Wasser legen. Die Briketts kann ich am nächsten Tag trocknen und wiederverwenden. Die Beste Option ist selbstverständlich die erste.

Ascheeimer
Mit einem Ascheeimer kann man glühenden Kohlen und Briketts schnell die Luft abdrehen. (Foto: Matthias Würfl)

Wie empfiehlst Du Briketts und Kohlen zu entzünden?

Kasper Damkier (McBrikett):  Da sollte ein Anzündkamin her. Bei Briketts gibt es noch den Trick diese nicht mit Feuer sondern mit Kohlen die Briketts zum Glühen zu bringen. Bei uns gibt es noch Grillstarter. Das sind Kohlen mit einem Schnellstarter vermengt. Die zündet man einfach an und man hat eine mobiles glühendes Brikett, das ich unter meine Briketts mischen kann. Generell ist Holzkohle übrigens einfacher zu entzünden, denn: sie hat eine größere Oberfläche und eine geringere Dichte als Briketts.

Anzündkamin
Mit einem Anzündkamin lassen sich Kohlen und Briketts sehr einfach zum Glühen bringen. – allerdings bitte feuerfesten Untergrund verwenden. (Foto: Matthias Würfl)

Wie heiß werden Kohlen und Briketts – gibt es da Unterschiede?

Kasper Damkier (McBrikett):  Auf alle Fälle, das hängt wieder von der Herstellung ab. Je mehr Energie bei der Produktion reingesteckt wird, desto heißer brennen die Briketts am Ende. Das ist so eine Daumenregel. Das andere wäre der Kohlenstoffgehalt. Und auch wieviel Sauerstoff sie abbekommen. Wenn ich normale Kohle oder Briketts anzünde dann hat die Oberfläche zwischen 500 und 550 Grad. Bei unseren Produkten sind wir zwischen 600 und 700 Grad. Und dann haben wir auch Bambusbriketts die über 900 Grad bekommen. Das sind aber Zahlen, die nur für frisch entzündete Briketts oder Kohlen zählen. Denn wenn einige Zeit vergeht bildet sich eine Ascheschicht die verhindert, dass Sauerstoff rankommt. Und die Temperatur geht runter. Da würde ich sagen, dass sich das dann bei 300 bis 350 Grad einpendelt. Das sind aber alles die Oberflächentemperatur vom Brennstoff. Welche Hitze beim Grillgut ankommt ist eine andere Sache.

Schmeckt man den Unterschied zwischen Gas und Kohle beim Grillen?

Kasper Damkier (McBrikett):  Ich bin kein Grillexperte. Ich lasse mich immer begrillen. Das ist das Schöne an meinem Beruf. Ich bin Kohleexperte. Ich würde sagen man schmeckt den Unterschied. Aber es kommt immer darauf an was man grillen möchte. Bei einem ganz simplen Steak, das ich nur drei Minuten angrille, ist der Unterschied minimal. Es kommt aber auch darauf wieviel Soße und Fett in die Glut tropft. Denn der dabei entstehende Rauch wandert zum Teil auch wieder ins Fleisch. Und dann kommt es auch auf die Kohlen und Briketts an. Wenn zum Beispiel Restgase enthalten sind schmeckt man diese auch ein bisschen.

Wieviel Geld muss ich für hochwertige Kohlen und Briketts ausgeben?

Kasper Damkier (McBrikett):  Bei Holzkohle geht es bei 1,60 bis 1,80 Euro pro Kilogramm los. Bei Briketts ab 2 Euro. Aber: Man darf nicht in Preis pro Kilo denken. Man muss in Preis pro Leistung denken. Bei hochwertigen Brennstoffen bekomme ich wesentlich mehr Brenndauer und Hitze heraus. Wenn man die Werte in den Taschenrechner eingibt wird man feststellen, dass die Grillstunde bei hochwertigem Material günstiger ist. Wer billig kauft, der kauft tatsächlich zweimal. Und hochwertige Ware ist auch rauchfrei und ich kann es löschen und wieder anzünden. Obendrein ist es bequemer zum Grillen, da ich nicht ständig nachlegen muss.

Wie lagert man Kohlen und Briketts am besten?

Kasper Damkier (McBrikett):  Im Idealfall trocken. Feuchtigkeit ist der Tod von Kohle. Man bekommt die Feuchtigkeit zwar immer wieder aus, dieser geht aber mit einem Leistungsverlust einher. Aus diesem Grund habe ich zuvor die Ablöschmethode mit Wasser zuletzt aufgeführt.

Lass‘ uns nochmal aufs Entzünden zurück kommen. Da ist im Anzündkamin unten schon immer eine Glut, oben rührt sich aber noch nichts…

Kasper Damkier (McBrikett):  Schwierig. Aber: Wenn ich bereits Glut habe, dann kann ich auf die Kohlen, die oben im Anzündkamin liegen, diese draufgeben. So hat man Hitze von oben und Hitze von unten. Da fällt mir übrigens etwas ein: die Glut, welche ich oben drauf lege wird schneller nach unten wandern als die Glut, die sich von unten nach oben auf die Reise macht. Durch die Hitze entsteht Thermik. Unten entsteht ein Unterdruck. Das heißt, dass die frische Luft immer von unten angesaugt wird, geht durch die Glut und nach oben. Und die Glut wandert dorthin wo der Sauerstoff herkommt. In diesem Fall sodann nach unten.

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Wie kann ich den Grillplatz nach dem Grillen mit Holzkohle oder Briketts gegen Funkenflug sichern?

Kasper Damkier (McBrikett):  Da gilt das zuvor Gesagte: Deckel auf den Grill, so dass die Glut erstickt. Oder ab damit einen Ascheeimer und Sand drauf. Letzt Option wäre das Löschen im Wasser.

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Hast Du noch Tipps für Balkongriller bzgl Rauchentwicklung?

Kasper Damkier (McBrikett):  Hochwertige Briketts verwenden. Die sind in der Regel rauchfrei oder zumindest raucharm. Das Anzünden mit dem Anzündkamin bringt halt oft viel Rauch mit sich. Da würde ich als Alternative zu der Holzwolle oder normalen Anzündern eine Schale mit Sicherheitsbrennpaste empfehlen. Die ist nämlich rauchfrei.

Das Gespräch führte Anja Auer.

Hier das Interview mit McBrikett-Gründer Kasper Damkier im Video:

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