Weltmeister Oliver Sievers 1

BBQ-Weltmeister Oliver Sievers im Exklusivinterview

„Man muss halt nur gut genug sein um Grillfehler überspielen zu können.“

Einmal im Jahr trifft sich in Fulda die deutsche Grill-Elite um den offiziellen deutschen Grillmeister zu ermitteln. Am ersten Augustwochenende war es auch heuer wieder soweit. Bei den Amateuren und Profis rauchten die Grills und Smoker. Dabei auch: BBQ Wiesel – eines von vielen Grillteams. Das Besondere an den Jungs um Kapitän Oliver Sievers: Im vergangenen Jahr nahm man nicht nur an den deutschen Grillmeisterschaften teil, sondern auch den internationalen, die jedes Jahr in einem anderen Land ausgetragen werden. Im irischen Limerick belegte BBQ Wiesel den ersten Platz: „Weltmeister“ dürfen sich der Bochumer Sievers und sein Team nun für zwei Jahre nennen, bis der nächste Vergleich auf internationalem Level stattfindet. In Fulda nahm sich Oliver Sievers zwischen den verschiedenen Gängen, die für eine vielköpfige Fachjury zubereitet wurden, Zeit für ein exklusives Interview über Alligatorenfleisch, die wichtigsten Grillutensilien für ihn und jedermann, sein Lieblingsgericht und natürlich die große Glaubensfrage: Gas- oder Kohlegrill.

Hinweis: Die Video-Version musste, da teilweise urheberrechtlichen geschützte Hintergrundmusik lief, gekürzt werden.

Wie wird man eigentlich Weltmeister?

Oliver Sievers: Man packt alles zusammen, dann fährt man mit seinen Jungs nach Irland, was schon alleine 26 Stunden dauert, unter anderem mit der Fähre. Dort wird alles aufgebaut. Dann grillt man neun verschiedene Gänge in zwei Tagen. Und das am besten möglichst gut. Und ganz zum Schluss, wenn man alles vernünftig gemacht hat, ist man Weltmeister.

Werden diese Wettbewerbsgerichte eigentlich vorher geprobt?

Oliver Sievers: Es ist tatsächlich so, dass wir nicht mehr viel Zeit zum Üben haben. Sondern jeder weiß in etwa was er zu tun hat, dann probiert man zuhause ein bisschen aus. Aber es ist nicht so, dass wir uns treffen und die ganze Sache einmal durchspielen, dafür haben wir keine Zeit.

Weltmeister Oliver Sievers bei der abreit - immer mit einem Lächeln im Gesicht, egal wie große der Stress ist
Weltmeister Oliver Sievers bei den Vorbereitungen auf der Deutschen Meisterschaft in Fulda – immer mit einem Lächeln im Gesicht – egal wie groß der Stress ist

Mit wie viel Equipment reist man da durch die Weltgeschichte und mit welchen Kosten ist dies verbunden?

Oliver Sievers: Wir haben einen eigenen langen und hohen Transporter. Einen 3,5-Tonner und der ist dann voll bis oben hin. Man quält sich darin über die Autobahn bis nach Irland.

Und um es noch konkreter zu machen: wie viel Budget braucht man denn für eine Grillweltmeisterschaft?

Oliver Sievers: Die Weltmeisterschaft hat uns etwa 5000 Euro gekostet. Da sind Fahrtkosten dabei, Essen, Trinken, alles was man unterwegs braucht dabei.

Ein anderes Thema: Grillgabeln sind ja sehr verpönt unter Profis, weil man ins Fleisch sticht und Säfte austreten können. Den Fehler schon mal gemacht?

Oliver Sievers: Eine Grillgabel ist das was meistens in einem Anfänger-Paket dabei ist. Aber ich bin schnell davon abgegangen, denn wenn man Würstchen grillt, und ich grille sehr gerne Würstchen, dann ist eine Grillzange eh nicht gut. Da ist eine Zange einfach besser, griffiger und für jedes Grillgut geeignet. Und die zerstört auch nicht irgendwas am Fleisch.

Auf welche Grillutensilien ist beim Grillen schwerlich zu verzichten?

Oliver Sievers: Wie schon gesagt eine vernünftige Zange. Was ich auch auf jeden Fall brauche ist ein Kernthermometer zum Einstechen um zu überprüfen wie weit wir noch vom Garpunkt entfernt sind. Denn ich grille ja sehr oft irgendwo auf irgendwelchen Grills, die ich nicht kenne – auf Grillkursen, bei Veranstaltungen oder bei Leuten zuhause. Und dann kann ich nicht immer einschätzen wie heiß der Grill tatsächlich ist. Und: Wie funktioniert er? Funktioniert er so gut wie bei mir zuhause? Also das Thermometer ist mit das Wichtigste und eine ordentliche Zange, die nehme ich immer mit. Viel mehr braucht man eigentlich nicht.

Weltmeister Oliver Sievers am Räucherofen
Weltmeister Oliver Sievers am Räucherofen

Wie groß ist die private Grillsammlung vom Weltmeister?

Oliver Sievers: Ich besitze ungefähr zehn Grills, plus minus zwei, drei. Und ich grille natürlich auch zuhause sehr viel aber meistens benutze ich dafür nur zwei oder drei.

Nun die Glaubensfrage: Gas oder Kohle?

Oliver Sievers: Gas ist generell praktischer. Wenn ich abends nach Hause komme und wir noch schnell was Einfaches grillen wollen ist schnell der Gasgrill angemacht. Wenn ich Zeit habe benutze ich aber lieber Kohlegrills.

Ein Statement zum Thema Alufolie?

Oliver Sievers: Alufolie habe ich komplett aus meinem eigenen Grillleben verbannt. Für Wettkämpfe benutzen wir sie noch teilweise, weil es sehr praktisch ist und wir lange damit geübt haben und es nicht so einfach zu ersetzen ist. Aber zuhause meide ich sie völlig.

Welche Tipps wollen Leute am öftesten bekommen?

Oliver Sievers: Also meistens geht es darum, ob es sich lohnt teures Fleisch zu kaufen. Da kann ich nur sagen: auf jeden Fall. Gutes Fleisch ist meistens nicht ganz billig. Aber mit billigem Fleisch tut man sich meistens keinen Gefallen. Das muss man sich selber wert sein. Und: muss ich einen großen Grill kaufen um damit glücklich zu sein? Das würde ich auch bejahen, denn man kann besser auf einem großen Grill wenig machen als auf einem kleinen Grill viel.

Wie erkennt man eigentlich gutes Fleisch?

Oliver Sievers: Da muss man halt sehen: wo kommt es her, wie fühlt es sich an, wie sieht es aus, mag man lieber was ohne marmoriertes Fett oder lieber mit marmoriertem Fett. Die Reifung ist auch sehr wichtig.

Kann ich auch günstig an tolles Fleisch gelangen?

Oliver Sievers: Also normalerweise ist es so, dass gutes Fleisch, das gut gereift ist, und wo die Aufzucht gut ist, die naturnah gehalten und auch ernährt werden, optimal ist. Das sind meistens die Fleischsorten, die dann aber auch im Endeffekt etwas mehr kosten.

Ist auch schon einmal ein Gericht am Grill misslungen?

Oliver Sievers: Ja, das passiert mir tatsächlich immer wieder mal. Man muss halt nur gut genug sein um das überspielen zu können.

Ein Beispiel bitte…

Oliver Sievers: Ich gebe ja Vorführungen und Grillkurse und hat man natürlich ein schönes Steak auf dem Grill. Man unterhält sich und die Leute fragen hier und fragen da und man beantwortet die Fragen. Schließlich schneidet man das Fleisch an und es ist auf einmal weiter durchgegart als man denkt. Und das erwarten die Leute natürlich nicht. Die möchten es immer perfekt haben – und den Anspruch habe ich selbstverständlich auch.

Der Weltmeister (rechts) neben seiner Lebensgefährtin Angela und den seinen Weltmeister-Jungs
Der Weltmeister (rechts) neben seiner Lebensgefährtin Angela und den Weltmeister-Jungs

Was war bisher das ausgefallenste Gericht?

Oliver Sievers: Ein ganzes Schwein habe ich natürlich schon mal gegrillt und das ist natürlich besonders. Und in Amerika habe ich auch schon mal Alligator gegrillt und das war für uns auch sehr neu. Aber wir haben damit tatsächlich auch den 6. Platz geholt.

Wie schmeckt Alligator?

Oliver Sievers: Nicht besonders lecker, eine Mischung aus Schwein und Hähnchen und Fisch. Ist nicht mein Favorit.

Gibt es eigentlich ein Gebiet zum Thema Fleisch oder Grillen wo beim amtierenden Weltmeister Verbesserungsbedarf besteht?

Oliver Sievers: Also womit ich mich wenig auskenne ist veganes Grillen, vegetarisch kann ich ganz gut glaub ich. Fisch kann ich auch ganz gut und mache ich zumindest auch sehr gerne. American BBQ ist natürlich auch eines meiner Favoriten. Ich glaube es gibt nicht mehr viel was ich noch nicht gemacht habe. Ganze Tiere, das macht man sehr selten, man hat aber auch selten Gelegenheit.

Gibt es einen Nummer 1 Tipp für Nachwuchsgriller?

Oliver Sievers: Auf jeden Fall einen ordentlichen Grill und gutes Material kaufen. Gutes Fleisch, guten Fisch kaufen. Wenn die Zutaten gut sind und das Gerät gut ist dann kann man normalerweise auch ein gutes Ergebnis erwarten.

Das Lieblingsgericht vom Weltmeister?

Oliver Sievers: Es wechselt natürlich hier und da mal wieder. Ein gutes Steak ist für mich immer noch das ultimative BBQ- oder Grillessen. Und da mag ich am liebsten Cap of Ribeye. Das ist so ein ganz besonderer Zuschnitt, der ist hier nicht besonders oft zu kriegen. Das ist mein Favorit.

Jetzt fängt ja die Herbst- und Winterzeit an, bleiben die Grills dann aus?

Oliver Sievers: Nein, also ich grille immer. Das ist unabhängig von Wetter und Jahreszeit.

Die nationalen und internationalen Meisterschaften fressen ja viel Zeit – wie managt man das mit dem Privatleben mit der Lebensgefährtin?

Oliver Sievers: Für mich gibt es ja tatsächlich keinen Tag mehr ohne BBQ oder Grillen. Meinen Job habe ich in diese Richtung gewechselt und meine komplette Freizeit geht dafür drauf. Wir reisen ja viel hin und her, manchmal kommt sie mit und manchmal nicht. Aber sie freut sich natürlich auch wenn sie zuhause was Gutes zum Essen bekommt. Es läuft (beruflich) ja auch ganz gut, deswegen ist das alles ok.

2 Kommentare

  1. Danke für diesen interessanten Blog. Ich habe mal gehört das man selbst Kuchenteig Grillen kann. Stimmt das??

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